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Ab Vers 18 lesen wir den Bericht des reichen Jünglings. Er kommt zu Jesus in der Erwartung, dass dieser in der Lage sei, ihm den Weg zum ewigen Leben zu weisen. Das allein ist ja schon sehr bemerkenswert.
Erstens erkennt er in Jesus jemanden, der diese Frage beantworten kann. Und zweitens sucht er nach dem ewigen Leben.
In gewisser Weise haben wir also einen ernsthaft Suchenden.
Und doch sucht er nicht bedingungslos. Er sucht nicht nach Gottes Willen und danach, wie er Gott ehren kann. Er sucht nur nach seinem eigenen Vorteil, inkl dem Zugang zum ewigen Leben.
Und weil er so sucht und meint nur etwas Wegweisung zu brauchen und Jesus darum weiß, begegnet ihm Jesus recht harsch. Wenn er etwas tun will, um das ewige Leben zu bekommen, dann gibt es nur den Weg des Sünden-freien Lebens. Diesen Weg wird aber niemand erfolgreich gehen, außer Jesus selbst. Das versteht der Jüngling noch nicht. Er meint, dass er das tatsächlich schaffen kann.
Jesus zeigt ihm dann mit der Aufforderung seinen Reichtum aufzugeben, dass es mit seiner Treue zu Gott und seinem Verlangen, das ewige Leben zu ererben, eben doch nicht allzu gut bestellt ist.
Der Jüngling ist nicht bereit, Jesus bedingungslos und perfekt nachzufolgen.

Die Jünger erkennen das schockiert. Wenn selbst ein so frommer Mann es nicht schafft, wer kann dann überhaupt in das Reich Gottes kommen?
Jesus betont, dass die Frage grundlegend falsch war. In der Tat schafft es niemand durch seine Werke in das Reich Gottes zu kommen. Den Menschen ist dies unmöglich. Das kann nur Gott tun. Gott rettet, allein aufgrund Seiner Gnade. Das rettende Eingreifen Gottes hat dann eine zwingende Konsequenz. Gott macht uns Christen durch seine Gnade bereit dazu, IHM bedingungslos zu folgen, was sich dann eben in der Bereitschaft zeigt, um Jesu willen alles Andere zurückzulassen. Unsere Erlösung ist also allein Gottes Werk, aber sie führt dann dazu, dass wir dann auch anders leben. Wir tun also nichts, um das ewige Leben zu bekommen (wie der Jüngling dachte), sondern weil das allein aufgrund von Gottes Gnade aus unserer ansonsten vollkommen hoffnungslosen Situation gerettet wurden, tun wir dann auch die Werke, die Gott gefallen.

Ich denke, dass der Denkfehler der Jünger auch heute noch weit verbreitet ist. Und leider wird viel zu oft auch von Christen ein Evangeliums-loser Moralismus verkündet, der dieses Missverständnis weiter fördert.

Nach diesem Bericht lesen wir dann ab Vers 31 ein weiteres Mal davon, dass Jesus seinen Jüngern sein baldiges Sterben und seine Auferstehung ankündigt. Am Sonntag habe ich aus dem Markusevangelium den Abschnitt unmittelbar nach dieser Ankündigung gepredigt (Mk 10,35-45). Bei Markus fehlt der Hinweis darauf, dass die Jünger nichts von dem verstanden, was Jesus hier ankündigt (v.34: „ Sie aber begriffen nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie verstanden nicht, was damit gesagt war.“) … doch Markus verdeutlicht das dann durch den Bericht der sehr ambitionierten Jünger Jakobus und Johannes, die in falscher Weise nach Größe streben.

Ab Vers 35 kommt dann der Bericht, über den ich am kommenden Sonntag (aus der Parallelstelle bei Markus – 10,46-52) predigen werde. Im Gegensatz zu den unverständigen Jüngern, sehen wir hier nun ein Blinden, der klar sieht, dass Jesus eben nicht nur der Mann aus Nazareth ist. Er hat Jesus wahrscheinlich noch nie getroffen, aber es ist gut denkbar, dass ihm Menschen von Jesus berichtet hatten. Wie dem auch sei, Gott hat ihm die Erkenntnis geschenkt (die ER den Jüngern noch nicht in dieser Form gegeben hatte, sieht v.34), dass Jesus der Sohn Davids ist. Dies ist ein Messianischer Titel. Der Blinde Mann kannte wahrscheinlich die Schriften und wusste, dass der Sohn Davids die Blinden heilen würde (Jes 35). Das hat sicher primär eine geistliche Dimension, aber die physische Dimension hilft hier, die geistliche Dimension zu verstehen.
Der Blinde lässt sich nicht davon abhalten, Jesus um Erbarmen anzuflehen. Ihm ist egal, was die Leute denken und sagen. Er weiß, dass was alleine zählt eben das ist, was Jesus tun wird. Und Jesus hat Erbarmen. Er heilt den Blinden.
Was faszinierend ist, ist dann was danach passiert. Der Blinde geht jetzt nicht zurück, um nun endlich mal alles zu sehen, was er so lange nicht sehen konnte. Nein, er erkennt Jesus und hat sofort nur noch Augen für den HERRN. Er folgt Ihm nach … auf dem Weg zum Kreuz, wohlgemerkt. Und er preist Gott!
Wer weiß, wie dringend er Jesus braucht und dann Gottes Gnade erfährt, der wird IHM bedingungslos nachfolgen.

Ich denke, dass es unsere Nachfolge immer wieder beleben wird, wenn wir darüber nachdenken, wie verloren wir ohne Jesus wären und was ER für uns getan hat. Ich kann nicht oft genug über das Evangelium und meine Rettung nachdenken. Es macht mich immer wieder froh und gibt meinem Leben den richtigen Fokus. Ich wünsche Euch, dass Ihr das genauso erlebt!